Mai 2015:

15. Lese- und Präsentationswettbewerb


Fünfzehn Jahre französisches Lesevergnügen! Zu dem schon traditionellen Vorlese- und Präsentationswettbewerb in französischer Sprache möchten wir, die Deutsch-Französische Gesellschaft Bielefeld, Schülerinnen und Schüler und deren Lehrerinnen und Lehrer herzlich einladen.
Anders als in dem ursprünglichen Programm der DFG angekündigt findet der Wettbewerb in diesem Jahr am Donnerstag, den 7. Mai statt. Wir würden uns sehr freuen viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Lese- und Präsentationswettbewerb begrüßen zu dürfen.
Der Vorlesewettbewerb findet statt am Donnerstag, den 7. Mai 2015 ab 13.30 Uhr im Ceciliengymnasium, Niedermühlenkamp 5, 33604 Bielefeld.
Die Schülerinnen und Schüler des Vorlesewettbewerbs lesen Ausschnitte ihrer Lieblingslektüre vor, die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe entführen uns nach Bordeaux und präsentieren die Stadt und die Region mit einem Power-Point-gestützten Vortrag.
Die genauen Bedingungen sowie die Meldeunterlagen finden Sie zum Download als PDF-Dateien hier:

 

Anschreiben
Ausschreibung Präsentation Oberstufe
Ausschreibung Vorlesewettbewerb
Meldeformular Gesamt- und Realschulen
Meldeformular Gymnasium

 

Schicken Sie bitte die Meldebögen bis spätestens zum 28. April 2015 an Marie-Lu Matzke, E-Mail-Adresse: jmmatzke@t-online.de. Betreff: Vorlesewettbewerb der DFG.

Sie können auch ein Fax an das Schulbüro des Ceciliengymnasiums schicken.
Da sich der Zeitplan (Donnerstag ab 13.30 Uhr) nach der Zahl der Anmeldungen richtet, wird er spätestens am 3. Mai mitgeteilt.
Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass weder die Deutsch-Französische Gesellschaft Bielefeld noch ich eine Aufsichtspflicht oder Haftung für die Teilnehmer übernehmen.


Februar/März 2015:

"Rumänien - von der Romania bis Europa"


1.Februar - 10.März 2015:
Ausstellung im Bauernhaus Museum Bielefeld:
"Ein Jahrhundert LandLeben in Rumänien"
Vorträge: "Von der Romania bis Europa"
Ziel der Ausstellung und vor allem der Reihe von Vorträgen ist, ein differenziertes Bild von Rumänien als 'Kulturraum der Romania' in Europa zu vermitteln.
Kooperationen: Veranstaltungen mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Bielefeld, dem Veranstaltungen mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Bielefeld, dem Frankreich-Zentrum Bielefeld und dem Bauernhaus Museum Bielefeld.
Eintritt: 8 €, Mitglieder der DFG Bielefeld 6 €, Studenten 4 €.


 

SO 01.02.2015, 11:30 Uhr
Eröffnung und Einführung in die Ausstellung
Prof. Dr. Andreas Beaugrand

DI 03.02.2015, 19:00 Uhr
Die Rolle der französischen Sprache und Kultur in Rumänien.
Vortrag Dr. Anneli Ute Gabanyi, Bukarest

DO 05.02.2015, 18:00 Uhr
Bäuerliche Nachbarschaft: Höfe und Burgen in Siebenbürgen.
Vortrag mit Bildern von Heinz Riepshoff, Verden

DO 12.02.2015, 19:00 Uhr
Über 800 Jahre Geschichte der Siebenbürger Sachsen in Rumänien.
Vortrag mit Bildern von Richard Csaki, Sibiu/Hermannstadt

DO 05.03.2015, 19:00 Uhr
"Aus den Tagebüchern 1982-1989" und "Geschichten über Astrid", Lesung mit Karin Gündisch, Cisnadie/Heltau

SO 08.03.2015, 13:30 Uhr
Geführte Wanderung mit Besichtigung des Böckstiegel-Hauses in Werther bis zum BauernhausMuseum Bielefeld
Anmeldung erforderlich beim Bauernhausmuseum, Telefon: 0521-5218550
Treffpunkt: Werther ZOB 13:30 Uhr
Führung: Heinz-Dieter Zutz, Preis: 12 € (einschließlich Eintritt Böckstiegel-Haus)

Februar 2015:

Die Rolle der französischen Sprache und Kultur in Rumänien


Im Kontext der bereits besprochenen Ausstellung Rumänien - Ein Jahrhundert LandLeben - (siehe unten) hielt Dr. Anneli Ute Gabanyi am 03.02.2015 auf Anregung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Bielefeld e.V. einen ebenso kenntnisreichen wie lebhaften Vortrag mit dem Thema Bukarest - Paris des Ostens. Durch das Engagement von Dr. Klaus Netzer gelang es der DFG, eine so hochkarätige Wissenschaftlerin wie Frau Dr. Gabanyi in Bielefeld zu begrüßen zu können.

Frau Dr. Gabanyi stellte das Thema ihres Vortrages als ein europäisches vor: "Gerade in unserer Zeit der (wieder einmal) neu aufflammenden nationalen Egoismen in Europa, (...) ist es auf unserem Kontinent eminent wichtig, das Verständnis füreinander und den gegenseitigen Respekt der europäischen Völker zu wecken, die historisch und kulturell so vieles verbindet. Es ist ja gerade diese Einheit in der Vielfalt, die unser Europa so einzigartig in der Welt gemacht hat."

Bevor ich auf den Vortrag eingehen werde, seien an dieser Stelle neben einigen Hintergrundinformationen zu der engen Verbindung zwischen Rumänien und Frankreich auch einige Anmerkungen zur Frankophonie in Rumänien angeführt, die ich dem am 19.09.2006 veröffentlichten politischen Kurzbericht von Günther Dill, Maria Vasiu und Georgeta Voinea Rumänien vor dem Frankophonie-Gipfel entnommen habe, welcher für die Außenstelle der Konrad-Adenauer-Stiftung Bukarest verfasst wurde:

Rumänien gehört seit 1991 zur internationalen Frankophonie-Bewegung, seit 1993 als Vollmitglied. So wurde in Rumänien auch das Jahr 2006 als Jahr der Frankophonie gefeiert und auch der Frankophonie-Gipfel vom 25.- 29. September 2006 mit zahlreichen Veranstaltungen fand in Bukarest statt.

Einige statistische Fakten aus dem oben angeführten Bericht seien im Folgenden zitiert:

 

Darüber hinaus ist in Rumänien der französische Einfluss auch in anderen Bereichen sehr beachtlich:

 

Ich möchte mich bei der folgenden selektiven Wiedergabe einiger Aussagen aus dem Vortrag von Frau Dr. Gabanyi auf die Punkte beschränken, die mit der Interaktion zwischen Rumänien und Frankreich zu tun haben. Zum besseren Verständnis einiger historischer Begriffe werde ich anhand von Internet-Quellen Erklärungen heranziehen.

Gleich zu Beginn stellte die Referentin die Baugeschichte des Bukarester Triumphbogens Arcul de Triumf vor, bildliches Symbol für die französisch-rumänischen interkulterellen Beziehungen und Replique des in Paris errichteten Arc de Triomphe. Für die rumänische Hauptstadt, das "Paris des Ostens", wurde er, der "kleinere Bruder der französischen Arc de Triomphe" zur Erinnerung an den Sieg der Rumänen im Ersten Weltkrieg konzipiert und nach einer langen Baugeschichte 1936 in Gegenwart der königlichen Familie eingeweiht. Finanziert wurde er ausschließlich mit Spendengeldern der Bevölkerung. Der Architekt Petre Antonescu, der in Paris studiert hatte, entwarf das riesige Bauwerk nach klassisch-römischer Art. Zum rumänischen Nationalfeiertag am 1. Dezember 1936 wurde er eingeweiht, genau 100 Jahre nach der Einweihung des Originals in Paris.

 

Im Anschluss daran stellte Frau Dr. Gabanyi eine notwendigerweise summarische Analyse des Charakters und der Wirkungsweise des französischen Einflusses in Rumänien vor. Nach dem rumänischen Literatur- und Mentalitätsforscher Pompiliu Eliade sei dies ein absoluter Sonderfall in der Geschichte der Interaktion zwischen zwei europäischen Völkern. Zum einen, so Eliade, handle es sich um eine Interaktion, die zwischen zwei geographisch entfernten Ländern stattgefunden habe, zum anderen handle es sich nicht um eine Interaktion zwischen einem siegreichen und einem besiegten und besetzten Land.

Der französische Einfluss konzentrierte sich auf die rumänischen Fürstentümer Moldau und Walachei, findet sich jedoch nicht in dem zum Habsburgerreich gehörenden Siebenbürgen.

"In den Donaufürstentümern hingegen - und dies ist eine weitere historisch bedingte Besonderheit - nahm der französische Einfluss erst einmal den Umweg über Griechen und Russen." (Zitat Gabanyi)

Der rasante Modernisierungsprozess in allen kulturellen Gebieten ist nach Gabanyi ohne den französischen Einfluss undenkbar. Das Französische war in der Kulturgeschichte Rumäniens während großer Zeiträume die diplomatische Lingua franca.

Die Fürstentümer Moldau und Walachei hatten sich ihre innere Selbstständigkeit gegenüber den Osmanen bewahren können. Die Unzuverlässigkeit der lokalen Fürsten veranlasste die Osmanen, - in der Moldau ab 1711 und in der Walachei ab 1716 -, griechische Adlige, die Phanarioten, in statthalterischer Funktion auf den Fürstenthron zu setzen. Sie waren nicht nur exzellente Sprecher des Französischen als der damaligen lingua franca, sondern auch Kenner und Bewunderer der französischen Kultur.

"Ihnen ist es zu verdanken, dass die französische Sprache und Kultur und nicht zuletzt auch das Gedankengut der Aufklärung seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert in den Fürstentümern Verbreitung fanden." (Zitat Gabanyi)

Unter Phanarioten (griechisch Φαναριώτες) versteht man, insbesondere in den Ländern des ehemaligen Osmanischen Reichs auf dem Balkan, einen kleinen Kreis wohlhabender und politisch einflussreicher griechischstämmiger byzantinischer Adelsfamilien, die im Osmanischen Reich des 17./18. Jahrhunderts die Oberschicht in Phanar, einem Stadtteil Konstantinopels, bildeten. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 zog die Oberschicht der griechischen Bevölkerung in das Viertel Phaner. Vor allem griechische Kaufleute und Priester ließen sich im äußersten Nordwesten des späteren Istanbuls nieder. Bei den Osmanen hatten diese Griechen bis zum griechischen Unabhängigkeitskrieg (1821 -1829) den Ruf, besonders loyale nichtmuslimische Untertanen zu sein. Die Phanariotenherrschaft endete im Jahre 1821. Während auch nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Republik Türkei 1923 noch zahlreiche Griechen in Istanbul lebten, setzte nach dem sogenannten "Pogrom von Istanbul" am 7. September 1955 ein massiver Exodus ein.

Ihre soziale Akzeptanz wie auch die Möglichkeit zum Aufstieg in höchste Positionen im osmanischen Verwaltungsdienst verdankten die Phanarioten in erster Linie dem ungeheuren Reichtum, den ihre Vorfahren als Händler im 17. Jahrhundert angehäuft hatten. Sie dienten nun der osmanischen Regierung und ihren Botschaftern als Dragomane (Dolmetscher). Diese ihre Funktion sowie die darauf gründende Entsendung in die Fürstentümer resultierte daraus, dass ein Vers des Korans den Osmanen verbot, sich mit den Ungläubigen in deren Sprache zu unterhalten. Folglich brauchte man Übersetzer. In der Zeit von 1711 bis 1821, die als phanariotische Periode in die Geschichte Rumäniens eingegangen ist, regierten sie als vom Sultan eingesetzte Hospodare (altslawisch gospodi: Herr) die Donaufürstentümer und die osmanischen Vasallenstaaten Moldau und Walachei, denen sie folgerichtig in kultureller Hinsicht nachhaltig den Stempel der an Frankreich orientierten Elite aufdrückten, da ihr Bildungsideal in der französischen Kultur verankert war.

Die Phanariotenherrschaft wird negativ bewertet, da die Phanarioten sehr raffgierig waren, daraus resultierend, dass ihr Aufenthalt nur vorübergehend war. Das Gedankengut der Aufklärung war in den Fürstentümern sehr verbreitet, die Schriften Voltaires waren in einem solchen Maße bekannt, dass der orthodoxe Patriarch sie verbot. Die griechischen Statthalter ließen ihre Kinder in Frankreich studieren und brachten in ihrem Gefolge französische Pädagogen, Sekretäre, Ärzte und sogar Köche nach Bukarest und Jassy. Die französische Mode wurde von ihren begüterten rumänischen Untertanen nach Kräften imitiert. Diese schickten ihre Söhne ebenfalls zum Studium nach Paris, wo sie neben der französischen Sprache auch die französische Lebensart und Mode kennenlernten und nach ihrer Rückkehr auch in den Fürstentümern verbreiteten. Es entstanden infolgedessen Konflikte mit der Generation der konservativen Eltern, denn die Heimkehrer versuchten, jenen zu vermitteln , wie man einen fortschrittlichen Lebensstil führt. So wurden sie denn auch verächtlich, in Ableitung von dem französischen 'Bonjour' bonjuristi genannt. Unter den Rückkehrern waren auch viele Rechtsgelehrte, die begannen, die Gesellschaft und das Rechtsystem umzukrempeln. 1821 wurden die Phanarioten schließlich vertrieben. Um 1830 war die Aneignung des Französischen in den Fürstentümern Moldau und Walachei nicht nur quantitativ verbreitet, sondern auch in einem so starken Maße mental verinnerlicht, dass ein eingereister Franzose beim Besuch eines Salons vergessen konnte, dass er sich in einem fremden Land befand. Natürlich gab aber es auch massive Kritik an der übertriebenen sprachlichen und stilistischen Mimikry durch die gebildeten Rumänen, die sich in Werken vor allem der dramatischen Literatur in karrikaturhafter Verzerrung der sogenannten frantuziti, der Französisierten, Bahn brach.

 

Als zweiten Kanal, der die Verbreitung der französischen Sprache, Kultur und des savoir vivre in Rumänien beförderte, nannte die Referentinder den Lebensstil der adligen, gebildeten, ebenfalls frankophilen Offiziere der russischen Besatzungsarmee, deren Besatzungszeit insgesamt sechs Jahre dauerte. Seit dem Frieden von Küçük Kaynarca (1774) zwischen dem Osmanischen Reich und Russland gerieten die Donaufürstentümer, denen ab 1822 wieder einheimische Fürsten vorstanden, zunehmend unter russischen Einfluss und wurden von Russland von 1828 bis 1834 besetzt. Die russische Niederlage im Krimkrieg (1853/54 - 1856) beendete dann den russischen Einfluss. Die russischen Offiziere und Adligen regten durch ihren französisch geprägten Lebensstil in den Salons eine weitere Nachahmung der französischen Lebensart an.

"Für die jungen Moldauer und Walachen, die es in immer größeren Scharen zum Studium nach Paris zog, so der Mentalitätsforscher Lucian Boia, bedeutete das Französische bald mehr als eine Sprache der Kommunikation und der Kultur: vielen von ihnen sollten durch das Französische 'eine neue Seele' finden." (Zitat Gabanyi)

In der ersten Hälfte des Hälfte des 19. Jahrhunderts musste sich die rumänische Sprache entsprechend dem kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritt erneuern. Dies vollzog sich durch die Einführung einer Vielzahl von neuen Begriffsschöpfungen, Nachbildungen und Lehnübersetzungen. Die sprachliche Modernisierung fand in der Moldau und der Walachei durch eine massive Übernahme bzw. Angleichung französischer Ausdrücke statt, die in die Sprache der gehobenen Schichten Eingang fanden.

Die Referentin weist darauf hin, dass vor dem Einbruch des Englischen der Anteil französischer Übernahmen im Rumänischen bei 40% des Wortschatzes betrug; deren Frequenz betrug 20%, natürlich vor allem im intellektuellen Diskurs.

In der zweiten Hälfte des 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert waren es im Bereich der Literatur vor allem die modernen französischen Lyriker wie Verlaine, Baudelaire und Mallarmé und der französische Schriftsteller André Gide, die die rumänischen Schriftsteller zur Schaffung von Meisterwerken anregten.

Frau Dr. Gabanyi nannte die Sprachbegabtheit der Rumänen als Grund für deren Anpassungsfähigkeit. Die Grenzlage des Landes zwischen Okzident und Orient, die zahlreichen dort lebenden ethnischen und religiösen Minderheiten und auch die ausgeprägten geographischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturlandschaftenspielen spielen diesbezüglich eine bedeutende Rolle und erlaubten - und erlauben - den gebildeten Rumänen einen leichteren Zugang zu Fremsprachen wie Italienisch, Französisch, Englisch, Spanisch oder auch Portugiesisch.

Im Weiteren unterbreitete Gabanyi Ausführungen dazu, dass es neben der "notorischen Liebesbeziehung zwischen den beiden Nationen", auch einen zweiten, höchst fruchtbaren Austausch Rumäniens mit Deutschland gegeben habe, "...also quasi eine "Dreierbeziehung", durch deren Zusammenwirken das moderne Rumänien erst entstanden ist."

Auf den kulturellen Einfluss von Deutschland auf Rumänien werde ich an dieser Stelle allerdings nicht weiter eingehen.

Insgesamt war dieser Vortrag eine große intellektuelle Bereicherung für die anwesenden ZuhörerInnen. Mir selbst war vorher nicht bewusst, wie intensiv der französische Einfluss in der rumänischen Geschichte war und ist und auf welchen Wegen er sich verbreitete.

Am nächsten Morgen trafen sich VertreterInnen der DFG mit Frau Dr. Gabanyi zu einem Gedankenausstausch bei einem gemeinsamen Frühstück im Bielefelder Kachelhaus. Hier verlieh ihr Dr. Bernhard Kuhtz - in humoristischer Anspielung auf die Orden, die Frau Gabanyi vom rumänischen Staat bereits erhalten hat - einen kleinen Deutsch-Französischen Freundschaftspin. Die DFG würde sich sehr freuen, die hochkarätige Politikwissenschaftlerin und Publizistin in Zukunft wieder einmal in Bielefeld begrüßen zu dürfen.

 

Text und Bilder: Dr. Barbara Kling

 

 

Rumänien - Ein Jahrhundert LandLeben

Am Sonntag, 01.02.2015, fand die Vernissage zu der Ausstellung Rumänien – ein Jahrhundert LandLeben im Bielefelder BauernhausMuseum statt. Gezeigt werden hier bis zum 10.03.2015 Fotografien von Jürgen Graetz und Huib Rutten sowie Bilder von Peter August Böckstiegel. Hinzu kommen detailliert kommentierte Abschriften von Briefen, die der westfälische Maler an seine spätere Ehefrau Hanna während seiner Stationierung in der rumänischen Stadt Târgoviște in den Kriegsjahren 1917/18 schrieb. Der Künstler war Anfang 1915 als Landsturmmann zum Kriegsdienst eingezogen worden. Nach Stationen in Russland wurde er 1917 bis 1918 in Rumänien und schließlich in der Ukraine eingesetzt. Während des Krieges setzte er - soweit es ihm unter diesen Bedingungen möglich war - sein künstlerisches Schaffen fort: so stehen Szenen aus seiner vom Soldatenleben geprägten unmittelbaren Umgebung neben Darstellungen, die das ländliche Leben der Bevölkerung künstlerisch zum Ausdruck bringen. Die Ausstellungsvorbereitungen haben vier Monate gedauert; die Idee dazu entstand im Freundeskreis der an ihrer Umsetzung Beteiligten, und sie wurde von ihnen mit viel Engagement zum Ende gebracht, ein Engagement, das sich in der gut durchdachten, ansprechenden Präsentation der Exponate widerspiegelt.

Freundlich unterstützt wurde das Projekt von der Deutsch-Französischen Gesellschaft Bielefeld e.V., dem Frankreich-Zentrum Bielefeld sowie der VHS Bielefeld.

Mehrere Abendveranstaltungen mit Vorträgen zum Thema "Von der Romania bis Europa" werden die Ausstellung begleiten. Das Ziel der Vortragsreihe ist u.a., ein differenzierteres Bild, als wir es im Allgemeinen haben, von Rumänien als "Kulturraum der Romania" in Europa zu vermitteln . (Informationen zur Vortragsreihe s.o.)

Dr. Lutz Volmer, Leiter des BauernhausMuseums, eröffnete die Ausstellung und Prof. Dr. Andreas Beaugrand von der Fachhochschule Bielefeld führte thematisch in sie ein.

Rumänien ist seit 2007 EU-Mitglied. Insbesondere die Landbevölkerung leidet nach wie vor unter großer Not. Obwohl inzwischen in einigen Regionen des Landes exportorientierte Industriebranchen Wohlstand für hochqualifizierte Arbeitskräfte bringen, nehmen sehr viele Rumänen an diesem Aufschwung nicht teil. Besonders dramatisch ist die Situation für die Landbevölkerung, von der ein Großteil in bitterer Armut lebt. Heute leben über vierzig Prozent der Rumänen unterhalb der Armutsgrenze. So gibt es in den Dörfern meist keinerlei medizinische Versorgung; Medikamente sind für den größten Teil der Bevölkerung unerschwinglich. Es mangelt z. B. an sanitären Einrichtungen und fließendem Wasser. Strom und Gas, wenn überhaupt vorhanden, sind nicht bezahlbar. Zudem stellt das "Land-Grabbing" ein großes Problem dar.

Hintergrundinformationen zu Rumänien sind z.B. unter folgenden Verlinkungen zu finden: Bundeszentrale für politische Bildung, Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, focus MIGRATION, Dr. Anneli U. Gabanyi: Die rumänische Revolution von 1989 (PDF Download).

Die in der Ausstellung präsentierten Bilder von Jochen Graetz und Huib Ruitten, von Graetz 1983 und von Ruitten 2014 während einer Rumänienreise aufgenommen, stellen die rumänische Landbevölkerung sensibel dar.

Beide Fotografen haben Grenzen überschritten, um Teile eines Landes zu bereisen, die in den frühen 80er Jahren ebenso wie heute noch von wirtschaftlicher Entwicklung abgeschnitten sind und in denen auch Menschen leben, die keinerlei freiheitliche Grundrechte genießen können, die Sinti und Roma. Beide Fotografen standen vor einer Sprachbarriere: damals wie heute sprachen die Menschen keine einem Westeuropäer vertraute Sprache, vielleicht etwas Französisch. Besonders an den Fotografien ist nun, dass es den Fotografen - als Fremde in einem Land - gelungen ist, Bilder zu erzeugen, die Freundlichkeit, Offenheit, Sympathie, vielleicht gar Stolz darauf, fotografiert zu werden, ausstrahlen. Dieses Gelingen gründet auf der „Wesenhaftigkeit des Fotografen selbst“, so Prof. Dr. Andreas Beaugrand in seiner Einführung. In Abgrenzung von jeglichem vergegenständlichenden Voyeurismus ist in allen Bildern eine Vertrautheit sichtbar: die Menschen scheinen mit dem Fotografen eins.

 

Die schwarz-weiß Fotografien von Graetz sind ebenso wie die Farbfotografien von Rutten Dokumentarfotografie und Sozialfotografie in einem. Die Kunst der Fotografie im Allgemeinen bestehe gerade darin, wie Beaugrand in seiner Einführung betont, sich als Fotograf mit der Kamera unsichtbar zu machen: man wisse, dass die Kamera da sei, man spüre sie aber nicht. Diese Kunst ist auch Jochen Graetz und Huib Ruitten mit ihren sensiblen Zeichnungen der Bilder gelungen, die ausnahmslos anteilnehmendes Interesse an den sozialen und kulturellen Gegenheiten der rumänischen Landbevölkerung zeigen.

 

Die folgenden Informationen zu den Künstlern sind zum großen Teil den Beschriftungen aus der Ausstellung entnommen:

Jürgen Graetz stammt aus Neuglobsow (Brandenburg) und arbeitet seit 1976 freiberuflich als Fotograf. Einen inhaltlichen Schwerpunkt seiner dokumentarischen Arbeit stellt der Mensch dar: seine Prägungen, sein Einwirken auf und sein Eingebettetsein in seine Umwelt. Es sind häufig die vermeintlich Schwachen und Ausgegrenzten, denen er ein Gesicht gibt. Die Annäherung an sie ist stets respektvoll, die Lebensumstände der Fotografierten werden nicht kommentiert, sodass sich der Betrachter der Fotografien sein eigenes Bild machen kann. Jürgen Graetz' Rumänienbilder entstanden 1983 während einer Reise mit seiner Familie durch das Land und bilden überwiegend das Leben der Landbevölkerung ab. Graetz bewahrt Distanz und lässt den aufgenommenen Menschen ihre Würde.

Huib Rutten kommt aus Rotterdam. Seit 1986 arbeitet er als selbstständiger Fotograf im Bereich Dokumentarfotografie. Er will in der Fotografie nichts inszenieren. Seine Fotos im Nachhinein nicht zu bearbeiten, ist Teil seines Selbstverständnisses als Fotograf.

 

"Die Suche nach einem Moment, in dem im Hinblick auf Komposition und Geschichte des Bildes einfach alles passt, prägte auch seine Arbeit während der Reisen nach Rumänien im Jahr 2014." (Zitat aus der Ausstellung)

Ursprünglich reiste Rutten nach Rumänien zur Vorbereitung seines Bildbandes "vagabonzi. Straßenhunde in Rumänien ". Neben der Abbildung der Lebenssituation der Straßenhunde führte der Aufenthalt zu einer Serie von Rumänienbildern,von denen zahlreiche in der Ausstellung gezeigt werden. Normalerweise verzichtet Huib Rutten auf Farbigkeit in seinen Bildern. Die farbigen Abzüge in dieser Ausstellung sollen darauf aufmerksam machen, dass zwischen den Aufnahmen von Graetz und Rutten dreißig Jahre liegen.

 

Die Briefe, die Peter August Böckstiegel 1917/18 aus Targoviste an Hanna Müller, die Schwester des Malers Conrad Felixmüller, schrieb, zeugen von einer glühenden Leidenschaft für die Menschen und die Landschaft, die in den in der Ausstellung gezeigten Bildern deutlich hervorscheint.

 

Text: Dr. Barbara Kling, Bilder: Dr. Barbara Kling und Dr. Bernhard Kuhtz

 

 

Januar 2015:

Dîner amical

Restaurant Kreuzkrug, Wertherstr. 462, 33619 Bielefeld
Freitag, 23. Januar 2015, 19 Uhr

Dîner amical am 23. Januar 2015, um 19 Uhr im Restaurant Kreuzkrug, Wertherstr. 462, 33619 Bielefeld- Großdornberg. Geboten wird ein Drei-Gang-Menü mit französischen Inspirationen incl. Aperitif zum Preis von 33,50 Euro. Bringen Sie gute Laune mit und Lust auf angeregte Gespräche. So kann dies ein schöner Winterabend werden: Ein Highlight in unserem Vereinsleben. Die Anmeldung sollte bis zum 16.01. erfolgen mit Überweisung von 33,50 Euro auf unser Vereinskonto: IBAN: DE46 4805 0161 0015 3010 13 bei der Sparkasse Bielefeld. Das Restaurant ist auch gut mit dem Bus erreichbar: Linie 24 und Linie 62 Haltestelle "Bürgerzentrum".

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